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Gerhard Josten:

 

 

EINLEITUNG

 

Mit der folgenden Konstruktion eines Mattproblems glaubte ich, ein Wunder vollbracht zu haben. Ein Bauer muss hier alternativ in Dame, Läufer, Springer oder Turm umgewandelt werden, um in vier Zügen mattzusetzen.

 

 

Lange glaubte ich, damit allein auf der Welt zu stehen, bis dann bereits zwei Jahre zuvor ein  Russe es geschafft hatte, eine völlig identische Umwandlung von Weiß und Schwarz zu vollenden. Wenn also Schwarz einen Bauern in einen Springer umwandelt, dann muss Weiß ebenso verfahren.

In einem zweiten Fall blieb ich aber erfolgreich. Entgegen der Meinung eines weltweiten und uneinigen Förderkreises, der das Alter des Schachspiels um maximal 2.000 Jahre vermutete, entdeckte ich ein Schachspiel mit einem Alter von etwa 5.000 Jahren.

Und hier ist die Lösung des Diagramms auf der ersten Seite wiedergegeben. Es zeigt die vierfache Umwandlung eines Bauern, um ein vierzügiges Matt zu erreichen:

 

 

 

Zur Einleitung ist hier zunächst ein kurzer Text in englischer Sprache beigefügt.

 

 

  1. The Miracle of Shar-I Sokhta

Constructing the following chess position leading to a checkmate in 4 moves I thought I had performed a miracle. A pawn must be promoted to either to a queen, bishop, knight or rook in order to mate in four moves.

For a long time, I thought I was the only one in the world to accomplish this. However, two years earlier a Russian managed to create an endgame with a completely identical promotion of black and white. If black promotes a pawn to a knight, white must proceed accordingly. However, I remained successful in another case. Contrary to the opinion of a worldwide disunited supporter circle who assume the date of origin of the game to be 2000 years at most I discovered a chess set with an age of about 5000 years.

In the appendix of their article, the above-mentioned chess researchers present the illustration shown on he left shown down under and provide a detailed description. In this article, one learns that in addition to some dice, two raised cone-shaped figures are included, which probably represent the kings. Moreover, there are many other differentiated discs, which involuntarily reminded the researchers of the game of chess.

Although it is difficult to reconstruct how the game was played, we can see it was probably a precursor of all the games in which two separate groups of pieces are moved on a chess board according to various rules.

The miracle had happened. At the bottom of the figure on the left, two identical pieces stand out, standing upright,while all other other other pieces are flat. Obviously, this is the representation of the two kings in the game of chess. Dice also seemed to have played a role, as we can still see in India today.upright,while all other pieces are flat. Obviously, this is the representation of the two kings in the game of chess. Dice also seemed o have played a role, as we can still see in India today.

 

 

 

 

 

 

 

  1. Meine Heimaten

 

 

 

Mehr Bilder als Worte sind auf diesem Gemälde zu finden, denn ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte. Dieses Sprichwort habe ich mir zur Gestaltung dieser Seite in Erinnerung gerufen, weil der Zeitaufwand des Betrachters zum Genuss des Inhalts bei Bildern im Gegensatz zu Worten fast frei wählbar ist. Mein Wohnort ist das schöne Rodenkirchen bei Köln am Rhein mit dem Kapellchen Alt St. Maternus und der Rheinbrücke im Zuge der Autobahn A4. Mein oben stehendes Gemälde, das 2015 entstand, vermittelt einen abendlichen Eindruck von dieser Region, die im Jahr 1972 meine geografische Heimat wurde.

Verschiedene Formen von Heimat" könnte der Titel der vorliegenden Seite etwas ausführlicher und dudengerechter lauten, denn ich habe nicht nur ein geografisches Zuhause. Mir scheint, dass meine Eltern mir es in die Gene gelegt haben, mich nicht nur mit einer einzigen Heimat identifizieren zu können. Ja, ich habe mehrere Heimaten, auch wenn der Duden lange angab, dass es den Plural dieses Worts nicht gibt. Es scheint aber Bewegung in diese heimatliche Angelegenheit zu kommen. So definiert  Wikipedia den Begriff „Heimat“ u.a. wie folgt:  

 Heimat könne auch „neu gewonnen […] werden“ (Piepmeier 1990: 106), da der Heimatbegriff die Möglichkeit auf Beheimatung einschließe – also auf Aneignung einer vertrauten Lebenswelt und Ausbildung sozialer Zugehörigkeiten (Mitzscherlich 1997a). Die Heimatfindung könne demnach gleichsam in beweglichen Modellen von Raumdefinitionen und persönlichen Zuordnungen erfolgen. Die Heimat als sozialer Raum eröffne sich so mehr in lebens- und alltagsweltlichen Interaktionen im Rahmen von Bekanntschaften, Freundschaften und Nachbarschaften (Cremer und Klein 1990) und erschließe sich in der Auseinandersetzung mit der lebensweltlich-kulturellen Umwelt – mit dem Ziel, individuelle Handlungsgewissheiten zu erlangen. So verstanden wäre Heimat Lebensmöglichkeit und nicht Herkunftsnachweis. Heimat würde „nicht länger als Kulisse verstanden, sondern als Lebenszusammenhang, als Element aktiver Auseinandersetzung“ (Bausinger 1980: 21). Heimat sei somit der Lebensort, an dem man zu Hause sei und sich zu Hause fühlt, „wo ich im vollen Sinne lebe als einer, der eingewöhnt ist und nicht nur eingeboren“ (Waldenfels 1990: 113) und den man sich in einem schöpferischen Prozess aktiv aneignen kann (Greverus 1979).

Meine spielerisch-kämpferische Heimat war - abgesehen von einer zehnjährigen Funktion als Vorsitzender eines Schachvereins in Köln -  bis zum Jahr 2012 das Schachspiel mit den Schwerpunkten der Suche nach seinem Ursprung und der Komposition von Endspielstudien. Künstlerische Heimat wurde mir ab 1975 die Malerei, der die Schriftstellerei dann ab 1992 folgte. Als berufliche Heimat diente mir seit 1966 bis zur Pensionierung im Jahr 2002 das überörtliche Straßenwesen im Rheinland mit den Bereichen Planung, Umweltschutz, Ausführung und Unterhaltung. Und auch die Fotografie bezeichne ich als meine Heimat, auch wenn ich inzwischen die schwere Spiegelreflexkamera mit drei Objektiven gegen eine Kompaktkamera eingetauscht habe, die problemlos in die Hosentasche passt.

Das am Beginn dieses Texts stehende undatierte Gemälde, das bereits etwa um 1975 entstanden sein muss, als ich mich noch nicht der Schriftstellerei zugewandt hatte, verdeutlicht bereits ein klein wenig meine damalige Vielfalt von Heimat.

Irmgard, unsere fünfköpfige Familie in den bunten Blüten und der Grundriss unseres Grundstücks im Vordergrund stellen die allererste und familiäre Heimat dar. Das Schachdiagramm als die einstige spielerische Heimat zeigt eine meiner Schachkompositionen, in der ein Bauer sich vierfach umwandelt. Die damalige Rheinbrücke sollte die berufliche Heimat signalisieren, die im Jahr 2001 endete und in der unterbrochenen Brücke sowie in dem an einen fliegenden Drachen erinnernden Autobahnkreuz links oben im Bild deutlich werden sollte. Der Hintergrund zeigt meine geografische Heimat Köln. Das Alter soll weise machen, meint ein altes Sprichwort, aber seit der Fertigstellung dieses Bildes hat sich in dieser Hinsicht nicht sehr viel Neues getan. Nur die Heimat des Schreibens, in der ich damals noch nicht zuhause war, ist auf diesem Gemälde nicht besonders dargestellt.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Diese anspruchsvolle biblische Aufforderung, so einfach sie auch klingt, gelingt sehr vielen Menschen nicht in jungen Jahren  – oder nicht ständig und nicht in vollem Umfang. Zu dieser Kategorie von Menschen gehört auch der Autor dieser Zeilen. Eine gewisse Nachdenklichkeit bescherten ihm viele Gespräche, in denen die Partner in einer Art von Selbstanzeige Klage darüber führten, ihre Eltern viel zu wenig über deren Erfahrungen, Erlebnisse und Ereignisse befragt zu haben. „Was hätte ich meine Eltern noch alles fragen wollen!“, lautete oft das von einem Achselzucken begleitete Bekenntnis.

Ich selber muss mich in dieser Hinsicht zu den Spätzündern dieser Welt rechnen. Immerhin gelang es mir, meine Mutter, deren Erinnerungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit bereits etwas eingeschränkt war, kurz vor ihrem Tod am 23. Mai 1997 zu ihrem Lebenslauf zu befragen und eine entsprechende Broschüre im Kreis der Familie zu verteilen. Im Abschnitt „Literatur“ und dort unter E) Privatbücher" befindet sich die Titelseite dieser Broschüre „Wenn ich nachts wach im Bett liege“. Dazu befragte ich meine Mutter nach ihrem Leben und schrieb ihre Antworten nieder. Eines der Exemplare gab sie mir mit folgenden Anmerkungen zurück:

Nachdem Du als fertiger und selbständiger Mensch das Elternhaus verlassen hast, möchte ich Dir ein Lob aussprechen. Während Deiner Ausbildung hattest Du auch Widersacher. Ich habe oft gedacht, daß irgendwann der Abbruch kommt. Meine Schwiegereltern haben jede Woche Deinen Vater ermahnt, daß der älteste Sohn bei dem Meister in der Werkstatt eine Lehre bis zum Abschluß als Meister machen müßte. Ich habe auch sehr darunter gelitten, weil ich Deine Meinung kannte. Zum Wochenende hast Du mich immer daran erinnert, Dich auf jeden Fall ganz früh am Montagmorgen um 2.30 zu wecken, um den Zug am Bahnhof pünktlich für die Fahrt nach Aachen zu erwischen. Die Vorlesung begann nämlich nicht um 8:05, sondern um 8:00 Uhr. Im Koffer hattest Du immer Proviant für eine halbe Woche.

Nun versteht sich aber von selbst, dass in den unruhigen Zeiten der Pubertät, des allmählichen Erwachsenwerdens und der eigenen persönlichen Entwicklung der Blick eher auf die Zukunft als auf die Vergangenheit gerichtet ist. Während der Jugendzeit und auch noch im mittleren Alter stehen mit einer gewissen Berechtigung die sorgfältige Planung der kommenden Jahre und die Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund des Menschen. Im Alter dagegen schauen wir gern zurück und besonders wichtige Leute verfassen in dieser Phase ihre Memoiren, um sich der staunenden Nachwelt zu präsentieren.

So war denn auch – das sei hier gestanden – vor sehr vielen Jahren zunächst nichts als die eigene Überheblichkeit der erste Anlass, diese Seite zu veröffentlichen. Auf diesem Weg beabsichtigte ich, mich klammheimlich in die Schar der besonders wichtigen Leute hinein zu schleichen, die sich zu der so genannten Prominenz zählen, den „Herausragenden“.

Es war Irmgard, mit der ich – so Gott will – in Kürze die Goldene Hochzeit feiern werde, also Irmgard, die mich wieder einmal auf den Boden der Tatsachen zurückführte. Im Gegensatz zu mir ist ihr alle Selbstdarstellung nämlich völlig fremd. Über alle Jahre stand die familiäre Heimat mit einer sehr lieben Frau, drei prächtigen Kindern und sechs ganz unterschiedlichen Enkeln stets im Mittelpunkt meines Lebens. Die Fotos von dieser Heimat im vorletzten Abschnitt G) dieser Webseite können davon aber leider nur einen ganz schemenhaften Einblick vermitteln.

Irmgard liebt ihre Nächsten, das sind nach ihrer Auffassung unsere Kinder und Enkel, die Verwandtschaft und einige gute Freunde, die sich über viele Jahre hinweg als sehr verlässlich erwiesen haben. Bei aller Unterschiedlichkeit verfolgen Irmgard und ich aber unsere gemeinsamen Ziele in jahrzehntelanger Teamarbeit. Und damit richtet sich – wenn auch in einem etwas sparsamen Rahmen – die ursprünglich ziemlich einseitig geplante Selbstdarstellung auf dieser Internetseite nunmehr an einen zweiten und nachdenklichen Zweck, nämlich an die Hinwendung auf unsere Nächsten. Und so öffnet sich diese Webseite via Internet zwar auch der Öffentlichkeit, aber in erster Linie richtet sie sich inzwischen doch eher an unsere Familie. Ihre jungen Mitglieder werden daher in Kürze ein inhaltsähnliches Buch in modifizierter Form erhalten, weil die Vergänglichkeit des Internets mir weniger dauerhaft erscheint.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Einführung in das Thema

Die klassische Forschung über den Ursprung des Schachspiels konzentrierte sich über Jahrhunderte hinweg auf die Untersuchung schriftlicher und archäologischer Beweise, die zu Meinungen über indische/persische oder chinesische Herkunft des Spiels führten. Die verfügbaren Beweise reichten jedoch nicht für eine überzeugende Theorie aus.

Die Frage nach dem Ursprung von Chess muss also noch als offen betrachtet werden. Einige Spekulationen gingen von militärischen, mathematischen oder Vergöttlichungsmodellen als Grundlage für das Spiel aus. Die meisten Gelehrten der Schachgeschichte sind sich jedoch einig, dass die Beziehungen zu diesen Modellen, die nach Schach gezeigt wurden, bereits existierten. Eine andere Idee, die Teil einiger Theorien war, lag in der Annahme, dass Schach mit all seiner gegenwärtigen Komplexität von einer einzigen Person erfunden wurde. Aber das ist äußerst unwahrscheinlich.

Ein bedeutender Schritt zum besseren Verständnis war die Gründung der Initiativgruppe Königstein (IGK) im Jahr 1991 und deren Seminare, in denen die heutigen Schachhistoriker ihre Forschungen und Meinungen präsentieren konnten. Ihr Mitglied Gerhard Josten suchte nach Beweisen in der Struktur des Schachs. Er entwickelte drei grundlegende einzigartige Elemente: den König, die Bauern und die Offiziere (Zähler, Stücke).

Seine damalige Theorie bestand darin, dass diese Elemente aus verschiedenen Quellen stammen und zum heutigem Schach kombiniert werden. Dies sollte entweder von Seidenstraßenhändlern, die auf bessere Wetterbedingungen an einem der wichtigsten Handelsplätze wie Kashgar im heutigen Südwestchina warteten, oder von Spieleliebhabern im Kushan-Reich erfolgen. Die Kushans hatten einige Erfahrung mit der Verschmelzung von Elementen aus verschiedenen Kulturen.

Josten schlug vor, dass der König und sein Verhalten dem alten chinesischen Spiel Go entnommen sind, die Bauern aus indischen Rennspielen stammen und die Offiziere aus Vergöttlichungs- oder astrologischen Methoden herkommen. Ich habe eine Alternative für die astrologischen Wurzeln der Offiziersbewegungen hinzugefügt, mit der Möglichkeit, dass ihre Züge auf den Bildern basieren, die im Spiel von Tic-Tac-Toe auftreten.

Egal welche Theorie gültig ist, die Bedeutung der Seidenstraße für die Verbreitung des Spiels ist unbestritten. Vorläufer und die chinesischen Variation Brettspiele sind sehr alt und können mindestens 4.500 Jahre bis zur ersten Stadt ihrer und ägyptischen Gemälde zurückverfolgt werden. Im 19. Jahrhundert n. Chr. schuf Stewart Culin die Theorie, dass alle Brettspiele magischen oder religiösen Ursprung hätten. Dies zeigt sich zum Beispiel nicht in der dreidimensionalen Tic-Tac-Toe (Mühle), für die eine Tafel von römischen Soldaten auf den Kopfsteinpflasterstraßen von Alt-Jerusalem eingraviert wurde.

 

 

Das Senetspiel

 

Das ägyptische Spiel Senet war eindeutig ein religiöses Spiel. Es war ein Rennspiel, das auf einem 10x3-Brett gespielt wurde. Es gibt auch eine Version mit 8 linearen Quadraten, gefolgt von 4x3, dem „Zwanzig-Spiel“. Die genauen Regeln von beiden sind nicht bekannt, aber Bretter wurden zusammen mit halbflachen Stöcken, den Vorläufern der Würfel, gefunden.

Die Namen oder Bedeutungen der Plätze hatten mit den Stationen des Weges zum Totenreich zu tun. Es gibt zahlreiche Hinweise auf Senet in Inschriften und Papyrusrollen. Die Verwendung von Senet als ägyptische Glyphe gibt einen Hinweis auf seine Bedeutung. Nach dem nordischen Gedicht „The Edda“ verbrachten die germanischen Götter ihre Freizeit in ihrer Residenz Asgard mit Brettspielen, aber The Edda wurde erst im zwölften Jahrhundert n. Chr. niedergeschrieben.

 

 

Das Ashtapada

Ein möglicher Vorläufer des Schachspiels ist ein indisches Spiel, bekannt als Ashtapada, was im Sanskrit ein quadratisches Brett von 64 Quadraten, 8 Reihen von 8 Feldern bedeutet. Es wurde mit Würfeln und Figuren gespielt, ein Rassenspiel, das möglicherweise bis ins fünfte Jahrhundert v. Chr. zurückreicht. Chinesische Aufzeichnungen erwähnen seine Einführung von Indien nach China bereits 220 v. Chr. bis 65 n. Chr., etwa während der frühen Han-Dynastie.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rennspiel ein Vorläufer des Schachspiels ist, bleibt bei der Beförderung eines Bauern zu einer Partie erhalten, wenn er die 8. Reihe erreicht. Der Hinduismus verbietet das Glücksspiel. Die Wiederbelebung des Hinduismus während der Gupta-Dynastie führte im 6. Jahrhundert n. Chr. zu einer Durchsetzung dieser Antigambling-Politik.

Dies wird von einigen Gelehrten als Argument verwendet, um die Idee eines indischen Ursprungs des Schachs zu unterstützen. Es wird festgestellt, dass die Unterdrückung von Würfeln die Umwandlung eines Rassenspiels in ein strategisches Spiel erzwang. Als ich dies während eines Besuchs in Indien mit einigen indischen Historikern diskutierte, wurde mir klargestellt, dass die Glücksspielhemmung lokal war und nicht für das gesamte Indien galt.

Chinesisches Schach

 

Chinesisches Schach wird heute auf einem Brett mit 9x8 Quadraten oder 10x9 Kanten gespielt. Die Stücke, beschriftete Zeichner, werden an den Rändern und nicht auf den Quadraten des 9x8-Feldes platziert. Die Verwendung von beschrifteten Zeichnern anstelle von Stehfiguren bedeutet eine zusätzliche Abstraktionsebene und würde daher gegen eine Herkunft in China sprechen.

Einige Funde deuten jedoch darauf hin, dass ursprünglich chinesisches Schach auch mit stehenden Figuren gespielt wurde. In der Mitte des 10-reihigen Feldes befindet sich ein „Fluss“, der später hinzugefügt wurde, was ursprünglich bedeutet, dass das Brett 9x9 war, unter Berücksichtigung der Kanten, oder 8x8 unter Berücksichtigung der Quadrate. Die Zahl Neun hat in China eine besondere Bedeutung.

Alte Chinesen betrachteten ungerade Zahlen als männlich und gerade Zahlen als weiblich. Neun, die größte einstellige, ungerade Zahl, wurde als das ultimative Männliche verstanden und war symbolisch für die höchste Souveränität des Kaisers. Es wurde manchmal mit der Zahl fünf kombiniert, um kaiserliche Majestät darzustellen. Die Tiananmen-Halle ist 9 Buchten breit und 5 Buchten tief. Die Kombination 9x5 erscheint auch auf den beiden Hälften des chinesischen Schachbretts (nach Einbeziehung des Flusses).

Der Transfer von einem 8x8-Board auf ein 9x9-Board, basierend auf der imperialen Bedeutung der Zahl 9, scheint wahrscheinlicher passiert zu sein als umgekehrt.

Schachfiguren und Bretter

Die bislang ältesten deutlich erkennbaren Schachfiguren wurden im antiken Afrasiab, dem heutigen Samarkand, in Usbekistan ausgegraben. Dies sind sieben Elfenbeinstücke aus dem Jahr 762, von denen einige möglicherweise älter sind, was bedeutet, dass sie aus dem 6. bis 8. Jahrhundert n. Chr. stammen. Es ist nicht völlig klar, ob eines der Stücke als Königin identifiziert werden kann. Ansonsten ist das Vorkommen der sechs verschiedenen Stücke innerhalb einer Stichprobe von sieben der insgesamt 32 Stücke statistisch überraschend. Die Stücke werden heute in einem Museum in der Innenstadt von Samarkand aufbewahrt.

Einige andere alte Figuren, möglicherweise Schachfiguren, sind die gelegentlich genannten Schachfiguren eines Elefanten und eines Zebu-Stiers, die in Taschkent aufbewahrt werden. Sie wurden in Dalverzin-Tepe, einer alten Zitadelle des Kushan-Reiches heute im Süden Usbekistans, ausgegraben und stammen aus dem 2. Jahrhundert. Der russische Schachgeschichtsexperte Linder fühlt, dass sie keine Schachfiguren sind, sondern zu einem Vorläufer des Schachs gehörten [Linder 1994].

Sie könnten eine frühere als bisher angenommene Existenz von Schach bedeuten. Zweitens gibt es ein Stück im Metropolitan Museum in New York aus dem 6. oder 7. Jahrhundert, das um 1930 in Bagdad gekauft wurde und einen Elefanten aus Dolomitstein von 2-7/8 Zoll Höhe darstellt [Gunter 1991].

Eine Elfenbeinfigur, wahrscheinlich eine Schachfigur aus dem 6. Jahrhundert, wurde kürzlich in einem byzantinischen Palast in der antiken Stadt Butrint in Albanien ausgegraben. Dies modifiziert die Theorie, dass Schach von den Arabern zugunsten einer christlich-byzantinischen Beteiligung in den Westen verlegt wurde.

Schriftliche Berichte

Die ältesten bekannten Schachbücher oder Teile davon sind um 850 n. Chr. auf Arabisch geschrieben. Zuvor gibt es nur beiläufig mögliche Hinweise auf die Existenz des Spiels in arabischer, persischer, Sanskrit- oder chinesischer Literatur, aber es gibt keine vollständige Beschreibung des Spiels oder einen Hinweis darauf, dass sich die Regeln stabilisiert hatten. Die frühesten Erwähnungen stammen aus der Zeit um 600 n. Chr. Schach oder Chaturanga wurden in einem ansonsten sehr vollständigen Reisebericht des chinesischen buddhistischen Mönchs Fa Xian, der Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. durch Indien reiste, nicht erwähnt.

Die Gesamtzahl der persischen Bezüge zum Schach aus der Zeit um 600 beträgt zwei von insgesamt fünf Werken mittelpersischer weltlicher Literatur, von denen bekannt ist, dass sie aus dieser Zeit überlebt haben. Über Schach in Indien ist seit etwa einem halben Jahrtausend danach sehr wenig bekannt. Es ist nicht klar, ob das von den persischen Quellen erwähnte Schach ein Spiel für zwei oder für vier Spieler war, ob es mit Würfeln gespielt wurde und welche Züge erlaubt waren.

Die Schlussfolgerung von Murray [Murray 1913] und Eales [Eales 1985] ist, dass vor dem 7. Jahrhundert die Existenz von Schach in keinem Land nachweisbar ist. Eales erwähnt, dass der Verfasser eines Schachmanuskripts aus dem 12. Jahrhundert schrieb: „Es ist allgemein anerkannt, dass drei Dinge aus Indien hergestellt wurden: das Spiel, das Buch Kalila wa Dimna (ein Buch mit literarischen Fabeln) und die Dezimalzahlen (einschließlich der Null).“

Ann C. Gunter [Gunter 1991] berichtet über einen der erhaltenen Texte in Mittelpersisch, The Explanation of Chess and Invention of Backgammon (Wizarishn i catrang ud nihishn i new-ardashir). In einem besagten Wettbewerb zwischen dem großen sassanidischen Herrscher Khusraw I., der von 531 bis 579 regierte, und dem indischen König Dewisharm schickte Dewisharm ein Schachspiel an Khusraw und bittete Khusraws Weisen, die Gründe dieses Spiels zu erklären. Der weise Mann Wuzurg-Mihr erklärte die Begründung des Spiels und ging dann zu einer eigenen Herausforderung an den indischen Herrscher über.

Dies war angeblich die Erfindung des Backgammon (in der Literatur nard genannt) und die Erfindung der heutigen Würfel (deren Anzahl den kosmologischen Prinzipien der damals üblichen persischen Religion, dem Zoroastrismus, entspricht). Würfel waren jedoch schon den alten Ägyptern bekannt und sicherlich nicht erst zu Khusraws Zeiten erfunden. Es war nicht möglich, Dewisharm zu lokalisieren und herauszufinden, welches der Königreiche, die nach dem Fall der Gupta-Dynastie existierten, er regierte.

Sloan [Sloan 1985] stützt seine Theorie über den Ursprung des chinesischen Schachs auf zwei chinesische Gedichte, von dem eines aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. stammt. Da Schach oft fälschlicherweise mit dem viel älteren Go verwechselt wird, könnte dies auch hier der Fall sein (oder eine Verwechslung mit einem anderen Brettspiel).

Der Sinologe Joseph Needham und Pavle Bidev, beide Teil der Initiativgruppe Königstein, haben auf der Grundlage der Theorie über religiöse Wurzeln für alle Brettspiele vorgeschlagen, dass das historische Schach des Indiens des 7. Jahrhunderts direkt von einem Wahrsagerspiel (oder Ritual) in China abstammt. Bidev schlägt vor, dass Schach seine Wurzeln im Kult des chinesischen Gottes Thai Yi hat. Needham hat gezeigt, dass es Hinweise auf ein „Bildspiel“ (hsiang chhi ist Elefantenspiel oder Bildspiel) in Werken des 6. Jahrhunderts gibt, die vom Kaiser Wu Ti (561578) aus der nördlichen Chou-Dynastie erfunden wurden.

Der Kaiser hielt sogar Vorträge über das Spiel vor seinen Mitarbeitern. Es war jedoch kein Schach, da es nach frühen Quellen die Sonne, den Mond, die Sterne und die Sternbilder als Figuren hatte, was bedeutet, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein komplexes astrologisches Ritual handelte. Interessant im chinesischen Schach ist die 3x3 Festung, ein exaktes Bild von Tic-Tac-Toe.

Indirekte Evidenz

Es gibt eine Analogie zwischen der indischen Armee und der Schacharmee. Chinesische Armeen hatten keine Elefanten oder nur sehr gelegentlich eine begrenzte Anzahl im südwestlichen Teil Chinas.

Die frühesten Schachbegriffe erscheinen im Sanskrit, die persische und arabische Version sind sehr ähnlich. Whyld weist auf der IGK-Website darauf hin, dass die ersten erwähnten Schachbegriffe, die in Sanskrit vorkommen, nicht überzeugend sind. Er erwähnt auch die Tatsache, dass in der Geschichte des Schachs, das von Indien nach Persien zog, es von Hind stammen soll, einem Namen, der für Indien erst nach dem 11. Jahrhundert n. Chr. Verwendet wurde.

Davidson [Davidson 1949] studierte die „Geographie des Schachs“. Beginnend mit Indien findet er vier Hauptstrahlungen: Eine Nordoststrahlung nach China, zwischen 800 und 1000 n. Chr. entlang der Seidenstraße; eine südöstliche Strahlung nach Burma und Indo-China, zwischen 800 und 1100 n. Chr.; eine westwärts gerichtete Strahlung nach Persien und die arabischen Länder, zwischen 600 und 800 n. Chr., die Spanien vor dem Schlachtfeldwillen des Grafen von Uregel von 1008 erreichte, die das Erbe seiner Schachfiguren und eine nach Norden gerichtete Strahlung nach Sibirien zwischen 1400 und 1500 n. Chr.

Gerhard Josten vom IGK stützt seine „Verschmelzungstheorie“ auf drei Elemente in der Struktur des Schachs. Das Element der Jagdspiele wird durch den König dargestellt, das Element der Weissagungszähler für die Züge der Offiziere und das Element der Rassenspiele durch die Bauern.

Die Inhaftierung des Königs geschieht in ähnlicher Weise im chinesischen Territorialspiel Go, in China Weiqi 4 genannt, was bedeutet, dass dieses Element wahrscheinlich aus China stammt. Go wird auf einem 19x19-Brett gespielt, indem alternativ schwarze und weiße Stücke auf das Brett gelegt werden. Horizontale und vertikale Verbindungen von Stücken der gleichen Farbe bilden Ketten.

Die Anzahl der leeren Felder, die horizontal oder vertikal an Mitglieder einer Kette annachbar sind, gibt den Freiheitsgrad der Kette an. Eine Kette, darunter eine aus einem Stück bestehende Kette, ohne jeden Freiheitsgrad wird gefangen genommen. Die Situation einer Gefangenenfigur könnte diejenige sein, die auf einen gepaarten König im Schach angewendet wurde.

Josten glaubt, dass die Offiziere ihren Ursprung in alten Weissagungstechniken haben, aber im Unterschied zu anderen Autoren glaubt er, dass die Weissagungstechniken nur für die Offiziere und nicht für das gesamte Schachspiel gelten. Basierend auf der Tatsache, dass die Geometrie des babylonischen Astrolabiums alle wichtigen Arten von Zügen der Schachoffiziere und die äußere Verwandtschaft des Astrolabiums zum byzantinischen Schachbrett zulässt, stellt Josten fest, dass das babylonische Astrolabium ein ausreichendes Ideal für diese Figuren ist.

Die astronomisch-astrologische Verbindung wird durch die Theorie des 19. Jahrhunderts unterstützt, dass alle Brettspiele religiöse Wurzeln haben. Schach war von Anfang an ein Spiel für Intellektuelle und Astrologen galten in der Antike als Teil der intellektuellen Elite.

In der Antike wurden die Sterne entweder als Götterbilder oder als Subjekte betrachtet, mit denen die Götter herumjagten. Dies ist die Rechtfertigung für die Astrologie und möglicherweise für eine frühe Verwendung des Schachspiels, um Orakel zu erhalten. Das Astrolabium stellt eine analoge Rechenvorrichtung 5 dar, die aus verschiedenen gegeneinander beweglichen Ringen besteht.

Der Benutzer fand die Höhe der Sonne oder der Sterne mittels eines abgestuften Kreises auf einer Seite des Geräts und drehte sich dann auf die andere Seite, um seine Berechnungen auf der beweglichen Sternkarte, einer zweidimensionalen Darstellung der dreidimensionalen Himmel, durchzuführen. Die geraden Linienbewegungen treten bei diesen Operationen auf, der Ritterzug ist eine Kombination aus beidem. Diese Methoden sind auch in alten Astroglyphen aus chaldäischer Zeit angegeben.

Als Alternative zu der Vergöttlichung, die ich anbiete, könnte das Spiel von Tic-Tac-Toe als die Wurzel für die Bewegungen der Zähler angesehen werden. Tic-Tac-Toe wird von 2 Spielern gespielt, z. Schwarz und Weiß, mit jeweils gleichwertigen Stücken auf einem 3x3-Brett. Die Spieler bewegen sich abwechselnd mit dem Ziel, drei der eigenen Figuren in einer horizontalen, vertikalen oder diagonalen Reihe zu erhalten.

Im folgenden Diagramm wird dieses Ziel erreicht, indem die Punkte 1, 2, 3 oder die Parallelen, die Punkte 1, 4, 7 oder die Parallelen oder die Diagonalen 1, 5, 9 oder 3, 5, 7 besetzt werden: 

 1

 2

 3

 4

 5

 6

 7

 8

 9

 

Tic-Tac-Toe wurde vor mindestens 3.000 Jahren gespielt. Es wird auch „Three Men'ss Morris“ genannt, wobei „morris“ eine Verfälschung von Merels ist, dem lateinischen Wort für Zähler [Pritchard 1994]. Aus spieltheoretischer Sicht ist es immer ein Unentschieden und trivial. Eine anspruchsvollere Verlängerung wurde ausgiebig gespielt. Die Platzierung des folgenden Stücks der gleichen Farbe (2 Züge voraus) ist entweder vertikal, horizontal, diagonal oder in Diagramm (1) der Punkt 8 nach dem Punkt 1 oder gleichwertige Sequenzen, die dem Zug eines Ritters im Schach ähneln. Somit werden alle Zugsequenzen der Figuren im Schach dargestellt. Die Bauern und ihre Idee kommen mit ziemlicher Sicherheit aus Indien.

Die meisten der alten Brettspiele scheinen Rennspiele gewesen zu sein, die mit Würfeln oder ihrem Vorläufer gespielt wurden, Stöcke mit einer flachen Seite, die geworfen wurden und die Anzahl wurde durch die Anzahl der resultierenden flachen Seiten bestimmt, die nach oben oder unten waren.

Ashtapada ist ein altes hinduistisches Rassenspiel, das mit Würfeln auf einem 8x8-Brett gespielt wird, das später zum Schachbrett geworden sein könnte. Die Spielweise für Ashtapada ist in Vergessenheit geraten. Es scheint logisch, dass es einen Anreiz für den Erfolg in einem Rennen geben muss, der durch die Umwandlung eines Bauern in einen Offizier gegeben wird, wenn der Bauern die letzte Reihe 8 erreicht. Um ein Glücksspiel in ein strategisches Rennspiel zu verwandeln, sind einige strategische Möglichkeiten erforderlich, um das Rennen zu blockieren oder zu beschleunigen, wie z. B. entgegengesetzte Bauern und die Möglichkeit, ein entgegengesetztes Stück durch einen diagonalen Zug zu nehmen.

Eine Herausforderung für diese Theorie besteht darin, die Verwendung heute und in der gesamten Geschichte des Schachs zu erklären, dass militärische Namen für die Offiziere ohne vorherige Namen für diese Figuren bekannt sind. Auch in den frühen arabischen Quellen wird der König nicht eingesperrt sondern getötet.

Was das Herkunftsgebiet betrifft, verweist Josten auf das zentralasiatische Kushan-Reich, eine Kultur, die intensiven Kontakt mit dem Nahen Osten, Indien und China hatte. Es hätte verschiedene Elemente aus Spielen aus diesen Regionen in einem Spiel kombiniert. Die Kushans, von einigen Gelehrten „die vergessenen Kushans“ genannt, regierten von etwa 50 v. Chr. bis etwa 200 n. Chr. ein großes Reich, das einen wesentlichen Teil Indiens umfasste und den Ausgrabungsort umfasste, an dem die oben genannten „Schachfiguren“ aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. gefunden wurden.

Die Kushans, die durch den Handel an der Seidenstraße wohlhabend geworden waren, waren in kulturelle Verschmelzungen eingeweiht, wie ihre gleichzeitige Toleranz gegenüber Buddhismus und Zoroastrismus sowie ihre Goldmünzen mit griechischen, römischen, iranischen, hinduistischen und buddhistischen Gottheiten zeigten.

Jostens Hypothese über den Kushan-Ursprung aus den Tagen des Kushan-Reiches würde einen Mangel an Berichten über Schach für etwa ein halbes Jahrtausend vor 600 n. Chr. implizieren, was als eine Reifezeit erklärt werden könnte. Die beiden Stücke von Dalverzin-Tepe könnten die Theorie stützen.

Ein anderer Gedanke wäre, dass Schach auf der Seidenstraße entstand, als Händler untätig auf bessere Wetterbedingungen für Reisen warteten und Brettspiele spielten. Ein wichtiger Ort dieser Art war Kashgar im heutigen äußersten Westen Chinas, das auch eine Zeit lang zum Kushan-Reich gehörte.

Historische Ansichten

Es gibt eine Reihe von Büchern zur Schachgeschichte, insbesondere die wissenschaftlichen Studien von H. J. R. Murray [Murray 1913] und Richard Eales [Eales 1985]. Das deutsche Buch von H. F. Maßmann [Maßmann 1839] weist ältere Legenden über den Ursprung des Schachs zurück, wie die, die Palamedes von Euboa während der 10-jährigen Belagerung von Troja erfand, um Langeweile unter den griechischen Soldaten zu vermeiden. Maßmann ist der festen Meinung, dass Schach in Indien erfunden wurde und von dort über Persien und die Araber in den Westen kam. Der Beginn der historischen Forschung über den Ursprung des Schachs ist eine Veröffentlichung von Thomas Hyde, De Ludis Orientalibus aus dem Jahr 1694.

Hyde gibt die Fakten an, die in älteren arabischen Quellen implizit enthalten sind, was zu seiner Schlussfolgerung führt, dass Chess seinen Ursprung in Indien hat und dann über Persien und die arabische Welt nach Westeuropa und auf der Seidenstraße nach Osten reiste. Die Mythen und Legenden vor Hyde sind alle nicht historisch, aber alle, mit Ausnahme derjenigen offensichtlicher späterer Erfindungen, deuten auf Persien oder Indien als Ursprungsland hin.

Li [Li 1998] bezieht sich auf eine Veröffentlichung von Irwin, die 1793 in Dublin gelesen wurde [Irwin, An Account of the Game of Chess, as Played by the Chinese, Transactions of the Royal Irish Academy (Dublin 1793), S. 53-63]. Laut dieser Zeitung wurde Schach vom chinesischen General Han Xin erfunden, um seine Truppen während einer langen gegenseitigen Überwachung im Winter 204-203 v. Chr. mental zu besetzen. Li beschreibt detailliert, wie er glaubt, dass Han Xin über das Layout und die Züge entschieden hat, was schließlich zur chinesischen Form des Schachs führte. Han Xin starb 196 v. Chr. Li erwähnt, dass es Zitate in Irwins Papier gibt, aber er gibt keine. Ich stimme mit anderen Autoren überein, dass ein Papier, das 2.000 Jahre nach der Tat geschrieben wurde, keinen Beweis darstellt.

Josten verweist auf die Geschichte des britischen Kolonialismus in Indien. Der Großteil Indiens stand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter der Kontrolle der East India Company. Infolge von Revolten im Jahr 1857 wurde die Kompanie aufgelöst und Indien unter die direkte Kontrolle der britischen Krone gestellt. 1909 gewährte Großbritannien Indien eine gewisse Selbstverwaltung. Josten vermutet, dass die Forscher Thomas Hyde und H. J. R. Murray, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert aktiv waren, mit ihrer Behauptung eines indischen Schachursprungs bereitwillige Ohren fanden. Dies vernachlässigt natürlich die Beiträge der frühen deutschen Forscher, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie die britischen kamen.

Zusammenfassung

Leider wurden schriftliche Hinweise auf Schach oder seine Entwicklung noch nicht aus der Zeit vor den beiden persischen Aufzeichnungen von etwa 600 n. Chr. gefunden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Schach, fast wie es heute gespielt wird, plötzlich entstand, erfunden von einer einzigen Person. Die Idee, dass es eine Kombination von Elementen aus anderen Brettspielen ist, hat Verdienst.

Da fast alle bekannten Brettspiele religiöse Hintergründe haben, ist die astrologische Komponente durchaus möglich, auch wenn ich die Version bevorzuge, dass alle Elemente aus anderen Spielen stammen, z. Tic-Tac-Toe, als Basis für die Zähler. Kushan als Ursprungsgebiet ist sehr gut möglich, vor allem wegen der 2 ausgegrabenen umstrittenen Stücke aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr., die im Gebiet des Kushan-Reiches gefunden wurden.

Die Bücher sind keineswegs geschlossen. Meiner Meinung nach ist die chinesische Herkunft die am wenigsten wahrscheinliche von den diskutierten. Jostens Hypothese ist sehr faszinierend, braucht aber noch etwas Arbeit. Die Theorie, dass Indien das ursprüngliche Land ist, scheint zusammenzuhalten, wird aber wahrscheinlich einer anderen Theorie nachgeben müssen, da es in den nächsten 500 Jahren nach 600 n. Chr. keine Berichte über die Nachverfolgung innerhalb Indiens gibt.

Damit endet hier der Rückblick des Herausgebers dieses Buchs. Und auch die Initiativgruppe Königstein löste sich nach fünf Jahren erfolgloser Suche und in einvernehmlicher Trennung auf.

Erfolgreich jedoch gestaltete dagegen die Ungeduld von Gerhard Josten. Jahrelang suchte er anschließend in der Bibliothek der Universität Köln nach einer Veröffentlichung zu diesem Thema. Der leitende Professer entwickelte sogar ein gewisses Mitleid mit ihm und riet ihm eines Jahres, seine erfolglose Suche zu beenden und seine Zeit in anderen Gremien zu verbringen.

Es war schon eine für ihn als ratlos erscheinende Geschichte, aber dennoch gab er nicht auf. Auch die IGK gab sich größte Mühen, dem Ursprung des Schachspiels näher zu kommen. Die löste sich dann auf, als man nicht zu einem einvernehmlichen Ergebnis kam. Dies waren ihre Schlussworte:

 

ON THE ORIGIN OF CHESS WITH CONTRIBUTIONS BY:

 

1. Egbert Meissenburg

SOME FACTS, DATES AND BIBLIOGRAPHIC INFORMATIONS CONCERNING THE INITIATIVE GROUP KÖNIGSTEIN (IGK)

2. Yuri Averbakh, Moscow, 1999

STARTING THIS STUDY THE AUTHOR PROCEEDED FROM THE FOLLOWING THESIS

 

3. Peter Banaschak, 30 May 2000

CHINESE-WESTERN CONTACTS AND CHESS

 

4. Pavle Bidev, Yu Igalo, 1987

HOW I REORIENTATED MY CHESS BELIEFS

 

5. Ricardo Calvo, Madrid, 1996

SOME FACTS TO THINK ABOUT

 

6. Jean-Louis Cazaux, Toulouse, 2001

IS CHESS A HYBRID GAME?

 

7. Gianfelice Ferlito and Alessandro Sanvito:

ORIGINS OF CHESSPROTOCHESS, 400 B.C.

 

8. Gerhard Josten, Cologne, 2001

CHESS – A LIVING FOSSIL

 

9. Joseph Needham, Cambridge, 1962:

THOUGHTS ON THE ORIGIN OF CHESS

 

10. Victor Keats, London, 1993:

IS CHESS MENTIONED IN THE TALMUD

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Das Wunder von Shar-i Sokhta

                                Gerhard Josten

 

 

Eines Jahres geschah dann wirklich ein Wunder. Wunder gibt es tatsächlich immer wieder. In der universitären Kölner Bibliothek stöberte ich eines Jahres in einem Buch herum, das weit über 700 Seiten aufwies und daher zunächst nicht danach aussah, als würde es mir weiterhelfen können.

Für die größte Überraschung während meiner Suche außerhalb der IGK nach dem Ursprung des Schachspiels sorgte dieses Buch aber für eine vorn gezeigte Riesenüberraschung.

 

 
   

 

 

Ein Versuch zur Aufstellung

Ich fand dort ein Schachspiel, das ein Alter von etwa 5.000 Jahren aufwies. Gefunden wurde es in Shar-i Sokhta, einer einstigen Stadt im damaligen Persien. Abgebildet ist es gleich auf der ersten Seite dieses Buchs, weil dieser Fund mich sehr stolz machte. Für mich hatte sich meine jahrelange Mühe endlich gelohnt!

 

Die einstige Lage von Shar-i Sokhta

 

Die Forscher M. Piperno und S. Salvatori beschrieben ihren Fund in Shar-i Sokhta wie folgt:

The wooden pawns consist of ten triangles, three squared crosses, another ten triangles with stepped sides and two quadrangles. The pieces for the game are completed by two truncate-conical pawns of white-variegated limestone.

Although it is difficult to reconstruct exactly how the game was played, we can see that it was probatly a precurser of all the games in which two separate groups of pieces are moved on a chess-board according to various rules. The game most likely consisted in a mock fight between two groups guided by the players who, starting from an equal position, moved their men in the field represented by the board.

The final aim of the game, which is played by successivly occupying different strategic points on the board, is to defeat one’s opponent by eliminating the separate pieces or, as in chess, by capturing a particular piece which stands for the enemy king. A third situation which is reproduced in games played on a chess board is the conquest of the enemy territory or, at any rate, the attempt to be the first to occupy a space on the board towards which both opponents are moving their men.  

Der Journalist Nastaran Zafar Ardalan schrieb zu dieser Stadt: 

Der Ort ist die „Verbrannte Stadt“, ein Land, das vor 5.000 Jahren entstanden ist und seine Geheimnisse für Archäologen geöffnet hat, damit sie seine Pracht der zeitgenössischen Generation offenbaren können. Vor Tausenden von Jahren lebten einige Menschen auf diesem Wüstenland und seinem heißen Boden, der heute schwer zu ertragen ist, die ihre eigene Zivilisation und ihren eigenen architektonischen Stil hatten, deren Überreste, die einst unter den Bodenschichten begraben waren, jetzt aus den alten Hügeln der Region gezogen wurden. 

Die gesamte riesige Wüste ist mit Fragmenten von Tonarbeiten gefüllt, die über das ganze Gebiet verteilt sind. Allerdings konnten wir aufgrund des heißen Wetters und des Windes nicht die gesamte Region inspizieren.

„Mit jedem Schritt, den wir nahmen, bewegten wir uns zur Seite und enthüllten mehr Fragmente von Tonarbeiten. Uns wurde gesagt, dass nach jedem Regen die Erde weggespült wird und Fragmente an die Oberfläche kommen und dass je mehr Fragmente sie sammeln, desto großzügiges Land wird ihnen mehr Stücke der kostbaren Geschenke geben.

In dem Moment, als wir die Tonfragmente berührten, die unter dem Boden begraben waren, spürten wir ein seltsames Gefühl, das uns an unseren orientalischen Hintergrund erinnerte, und dieses Gefühl ließ uns nach unserer verlorenen Identität in der Verbrannten Stadt suchen. (Dr. Mansour Seyed Sajjadi, ein Archäologe, der seit Jahren in der Verbrannten Stadt forscht). Die Verbrannte Stadt mit einer Spannweite von 150 Hektar Land ist das größte Gebiet im Nahen Osten, das bis in die Messingzeit zurückreicht. Es wurde 3200 v. Chr. gegründet und 2100 v. Chr. zerstört und war im Laufe seines 1100-jährigen Lebens Zeuge von vier Zivilisationsepoden. Es wurde dreimal verbrannt und beim dritten Feuer vollständig zerstört. Das ist der Grund, warum die Stadt die „Verbrannte Stadt“ genannt wird.

Die Ruinen von Shar-i Sokhta, einer alten bronzezeitlichen Stadt, befinden sich in der Region Sistan im Südosten des Iran nahe der afghanisch-iranischen Grenze. Diese Siedlung, die zwischen dem Ende des vierten und dem Beginn des zweiten Jahrtausends b.C. mehr als tausend Jahre blühte, erreichte um 2700-2600 v. Chr. den Höhepunkt ihres Wohlstands als Handels- und Rohstoffzentrum.C. Sein Niedergang war eine Folge lokaler Umweltveränderungen, die zu Beginn des zweiten Jahrtausends vor .C. mit dem Austrocknen des Hilmand-Flussdeltas begannen, auf dem sich die Stadt erhob.

Tatsächlich wurde nicht nur die Stadt im gesamten südlichen Teil der Region Sistan allmählich aufgegeben und heute umfasst Shar-i Sokhta die größte Gruppe von Ruinen in einem etwa 1.200 Quadratkilometer großen Gebiet entlang des Verlaufs des alten Deltas zwischen Chagar Burjak und Hauzdar.“

Und heute sieht das Schachspiel in Europa so aus:

 

 

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